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Bindung, Erziehung, Ausbildung und warum diese Reihenfolge wichtig ist

Aktualisiert: 4. Feb.


In der heutigen Zeit gibt es unzählige Angebote rund um den Hund. Von der Welpenspielgruppe über Junghundekurse, Plauschgruppen, Tricklikurse bis zu Sportarten wie Agility, Obedience, SpassSport, Schutz- und Sanitätshund. Die Aufzählung ist nicht abschliessend.




Früher wurden Hunde für spezifische Aufgaben gezüchtet und eingesetzt. Unter anderem als Mäuse- und Rattenjäger, Wach-, Treib-, Jagd- und Schlittenhunde.  




Verschiedene Rassen, ausgeprägte Fähigkeiten und Eigenschaften

Doch eines haben sie alle gemeinsam. Der Wunsch nach dem Leben in einer Sozialgemeinschaft. Sei es unter Artgenossen oder mit dem Menschen zusammen.  

Jede Sozialgemeinschaft (egal ob beim Menschen, unter Hunden oder auch Pferden) funktioniert nach demselben Prinzip. Partner, Partnerin und, falls vorhanden, Kinder.  

Vater und Mutter beschützen ihre Kinder und stillen deren Bedürfnisse. Sie bringen ihnen bei, wie man sich benimmt, sprich was man darf und was nicht. Sie zeigen Grenzen auf und sorgen dafür, dass die Regeln akzeptiert und eingehalten werden.  Nur so kann eine harmonische Sozialgemeinschaft funktionieren.


Beispiel Wolfsrudel

Der erste Schritt auf dem gemeinsamen Weg in einer Sozialgemeinschaft heisst Bindung aufbauen. In der Natur entsteht diese unter anderem durch säugen und zufüttern. Anfangs werden die Welpen gesäugt. Später würgen die erwachsenen Wölfe unverdautes Futter für den Welpen hoch. Aber auch im Spiel und mit Zuneigung wird Bindung aufgebaut.

Durch Bindung entstehen Vertrauen und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit.

Wenn die Wolfswelpen etwas grösser sind, beginnt auch schon die Erziehung. Regeln werden aufgezeigt und die Leitwölfe lassen sich nicht mehr alle Frechheit der Kleinen gefallen. Korrigiert wird immer souverän aber bestimmt.  

Welpen werden erst nach dem Aufbau von Bindung, erfolgter Erziehung und der Akzeptanz von Regeln und Grenzen, das erste Mal vom Rudel auf die Jagd mitgenommen und dort ausgebildet.

Erziehung hat nichts mit dem Befolgen der Befehle „Sitz“, „Platz“ und „Fuss“ zu tun! Erziehung bedeutet Anstand und Respekt gegenüber den anderen Mitgliedern der Sozialgemeinschaft zu zeigen.


Warum erziehen?

Kinder werden zu Hause erzogen. Anstand und ein respektvoller Umgang mit Mitmenschen werden erlernt. In der Schule lernen sie das Einmaleins, die Grundvoraussetzung, um später erfolgreich eine Ausbildung absolvieren zu können. Doch die gute Arbeitsleistung vom Lehrling nützt dem Arbeitgeber wenig, wenn Respekt und Anstand völlig fehlen. 


Bildest du noch aus oder erziehst du schon?

Warum beginnen viele Hundehalter mit dem Hund direkt eine Ausbildung, anstatt ihn zuerst zu erziehen? Kaum auf der Welt und ein paar Wochen im neuen Zuhause, dreht sich alles nur noch um den zukünftigen Hundesport.

Bindung wird aufgebaut und erzogen wird mit irgendwelchen typischen «Sitz»-, «Platz»-, «Fuss»-Kommandos. Der junge Hund wird mit Leckerlis vollgestopft, in ständige Erwartungshaltung gebracht und mit einem Spielball völlig aufgedreht. 

Daraus resultieren Hunde, die kaum mehr zur Ruhe kommen. Der Gedanke herrscht vor, jeden Tag möglichst viele Stunden draussen sein zu müssen, damit sich der Hund austoben kann. Zusätzlich mehrmals pro Woche Hundesport betreiben; vermehrt auch noch in verschiedenen Sportarten. Schliesslich möchten wir ja einen Allrounder, nicht wahr?  


Kennst du das Schlafbedürfnis deines Hundes?

Dass Hunde täglich bis zu 18 Stunden Schlaf/Ruhe benötigen, geht schnell vergessen. Auch muss ein Hund nicht mehrmals pro Woche zu “Hochleistungssport” angetrieben werden. Der Hundekörper sollte Energie tanken und die geleistete Arbeit verarbeiten können.

Ein Wolfsrudel rennt auch nicht täglich in der Welt umher. Es spart seine Energie für eine allfällige Flucht oder Jagd.  


Was wir Hundehalter von der Natur lernen können

Die Natur macht es uns vor. Wir jedoch verschliessen die Augen davor und wollen es aus Unwissenheit nicht wahrhaben. Später stellen wir fest, dass wir unseren Hund mit der Leine fesseln, ihn mit dem Gartenzaun einsperren und mechanische Schranken verwenden müssen, damit er bei uns bleibt.  

In jeder Sozialgemeinschaft wird geliebt, gelebt, Bedürfnisse gestillt und alle orientieren sich freiwillig am Familienvorstand. Die Natur kennt keine Ketten oder mechanische Grenzen. Und das Zusammenleben funktioniert!  


Hund-Mensch-Beziehung

Durch die Abgabe von Leckerli und dem Ballspiel entsteht höchstens eine Bindung. Durch die Bindung und dem Aufbau eines positiven Respektes entsteht eine Beziehung. In einer Beziehung werden Bedürfnisse gestillt, dem Gegenüber Respekt entgegengebracht und jeder lässt den anderen in Freiheit leben. Erst nach Erreichen einer stabilen Hund-Mensch-Beziehung sollte eine Ausbildung begonnen werden.  

Dein Hund soll sich jederzeit an dir und deinen Vorgaben orientieren und im Zusammenleben mit dir ausgelastet und ausgeglichen sein. Der Hundesport, den du und dein Hund zweifellos lieben, darf gerne die Krönung des Hundelebens, nicht jedoch der gesamte Lebensinhalt sein.


Ruhe, Selbstsicherheit, Durchsetzungsvermögen, klare Kommunikation, Respekt, Toleranz und Vertrauen sind der Schlüssel für eine Beziehung im Miteinander.


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